Würden wir wieder so bauen?

Natürlich hat das Haus so etwas mehr gekostet. Aber statt Geld für importierte fossile Brennstoffe oder Energie auszugeben, hat es Arbeit für Handwerker im Thurgau geschaffen.

Am Anfang stand das kleine, trapezförmige Grundstück mit dem schönen Blick auf den See. Und die Frage, könnten wir hier ein komfortables Haus errichten, mit grosszügigen Fenstern, um Kirche und See zu sehen? Was würde uns moderne Energietechnik ermöglichen? Könnten wir bei vertretbaren Kosten ein energieneutrales oder sogar Plus-Energie Haus bauen? Ohne uns hinter dicken Styroporwänden zu verschanzen? Mit einem gesunden Hausklima? Ohne Geräuschkulisse der kontrollierten Wohnraumbelüftung? Mit kühlem Wohnklima bei Sommerhitze ohne klassische Klimaanlage und ökologischem Fussabdruck eines Riesen?

Anfang 2016 waren die Technologien ausgereift genug, dass das Plus-Energie-Haus zu vertretbarem Mehraufwand möglich wurde. Ein Zürcher ETH-Professor hatte ein einfaches, aber logisches Konzept erdacht: Warum nicht im Sommer mit der geothermischen Erdsonde kühlen und dabei mit der abgeführten Hitze nicht gleich noch das Gestein um die Sonde thermisch regenerieren? Die Solarpanels wurden immer günstiger und leistungsfähiger, die Batterien für das Speichern von überproduziertem Strom im Sommer bezahlbar. Logisch, bald auch das Benzinauto durch ein Elektromobil zu ersetzen.

Erst einmal aber Ende Februar 2017 der Spatenstich. Sorgfältige Energieplanung und technische Lösungen: zwei Erdsonden, eine Wärmepumpe, die kühlen und heizen kann. LED Lampen, A+++ Hausgeräte. Vollelektronische Haussteuerung mit Befeuchtung der Luft im Winter und Entfeuchtung der Luft im Sommer. Ein eigener Elektrokeller mit drei Schränken für die Steuerung, die Wechselrichter, die Batterie und die Server für die Haussteuerung. Eine hinterlüftete Steinfassade für das Wohnklima. Eine Akustikdecke, um den Hall abzuschwächen. Fussbodenheizung und Deckenkühlung. Unterschätzt hatten wir den Strombedarf all dieser elektrischen und elektronischen Aggregate zusammen. Doch im ersten Sommer schien die Sonne viel und lange. Die Energiebilanz im November ist immer noch positiv. Hätten wir schon ein Elektroauto, wir hätten bis Ende Oktober ganz mit eigenem Strom fahren können.

Wir erinnern uns noch gut an unsere etwa gleich große Mietwohnung aus dem 19. Jahrhundert vor einigen Jahren. Über das Jahr kamen für Heizen und Strom umgerechnet über 25.000 kWh zusammen. Im Sommer haben wir trotzdem geschwitzt. Dies hier ist 21. Jahrhundert. Die Technik hat vorzüglich funktioniert. Bei 35° Sommerhitze hatten wir 24° drinnen. Jetzt, Ende November haben wir über das Jahr mehr Energie produziert als verbraucht. Dank der Batterie waren wir vom Spätfrühling bis in den Herbst fast vollständig autark.

"Natürlich hat das Haus so etwas mehr gekostet. Aber statt Geld für importierte fossile Brennstoffe oder Energie auszugeben, hat es Arbeit für Handwerker im Thurgau geschaffen. Würden wir wieder so bauen? Auf jeden Fall.»

Manuela und Joachim Fischer, Bauherr (-frau) mit Visionen, Steckborn